6. Juli 2017

Besuch aus Stralsund (22.-26. Juni 2017)

„Wir haben uns schon das ganze Jahr auf den Besuch hier gefreut“, so oder ähnlich war es von unseren Gästen aus Stralsund zu hören, als sie am Abend des 22. Juni eintrafen. Bis zum Montag sollten wir einige ereignisreiche Tage mit den Mitgliedern unserer Partnergemeinde Stralsund-Heilgeist und -Voigdehagen erleben. Obwohl die Fahrt lange und mühsam war, waren alle guter Dinge. In Mol/Geel wurden sie mit einem liebevoll angerichteten Gastmahl im Hause Horstmann empfangen, in Antwerpen erwarteten die Gastgeber ihre Schützlinge im Pfarrhaus.

Offenbar hatten alle gut geschlafen, denn als wir am Freitagmorgen am ersten Ziel unseres Ausfluges ankamen, herrschte beste Stimmung. Im pittoresken Örtchen Sint Maria Horebeke wurden wir von Wilfred De Jonge empfangen, der uns alles über die dortige kleine protestantische Gemeinde erzählte, die stolz das Jahr 1554 als Gründungsdatum nennen kann. Eine Zeit, in der sich die Gläubigen nur heimlich und unter großer Gefahr treffen konnten. Erst Ende des 18. Jahrhunderts konnte ein bescheidener Kirchraum eingerichtet werden. Die kurze Zeit der niederländischen Vorherrschaft (1815-1830) brachte Erleichterung und die wirkliche Religionsfreiheit ins Dörfchen in den Flämischen Ardennen. Interessiert erforschten wir den 1824 gegründeten Friedhof und das kleine Museum, das eine spannende Zeitreise erleben lässt.

Wir genossen ein angenehmes Mittagsmahl in einem Restaurant, zu dessen Auswahl wir die Organisatoren nur beglückwünschen können.

In Oudenaarde gab es eine kleine Stadtführung. Im Mittelpunkt stand das Rathaus aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts und die Kirche St. Walburga mit ihrer interessanten Baugeschichte und dem berühmten Glockenspiel (nl. Beiaard). Hier konnten wir auch Beispiele der weltberühmten Verdüren bewundern, den einzigartigen Produkten der dortigen Teppichweberei. Nach einem Drink im namentlich passenden historischen Café „Carillon“ (frz. für Glockenspiel!) traten wir die staureiche Heimfahrt an.

An nächsten Morgen trafen sich alle im Pfarrhaus zu einem Frühstücksbrunch, der uns für den Rundgang durch die Stadt Antwerpen stärkte. Das Maagdenhuis-Museum, früher ein Waisenhaus für unversorgte Mädchen (1552-1882), beherbergt heute eine Vielzahl an Objekten aus dem Alltagsleben der Mädchen wie kunstvoll bemalte Breischüsseln, Gemälde des Unterrichts, aber auch davon unabhängige Kunstwerke, u.a. von Rubens, Van Dijk und Jordaens. Tiefen Eindruck machte auch die Darstellung des Jüngsten Gerichts, der sieben Todsünden und der sieben Werke der Barmherzigkeit eines unbekannten Meister.

Nach einer kleinen Pause in einem typischen Antwerpener Café besuchten wir die St. Andries-Kirche, wo am 3. August die lange erwartete Lutherausstellung eröffnet werden wird. Im dortigen Kloster hatten sich im 16. Jahrhundert Augustinermönche dem Protestantismus zugewandt. Zwei ihrer Brüder starben für dieses „Vergehen“ in Brüssel auf dem Scheiterhaufen.

Das Sommerfest und der Feier „50 Jahre selbständige Pfarrstelle“ unserer Gemeinde am Sonntag im Garten Wartena begann mit einem Sektempfang, große Wiedersehensfreude inbegriffen.

Der anschließende Gottesdienst fand im großen Zelt mit erstaunlicher Kirchenatmosphäre statt. Begleitet vom Akkordeonspiel Pfarrer Jacobis wurde viel und kräftig gesungen und dem Wort Gottes und der Predigt der Stralsunder Pfarrers Winfried Wenzel gelauscht.

Das Buffet und der Grill taten ihr bestes, die Gäste wohlig zu sättigen. Auch bei Dessert und Kuchen gab es großen Überfluss. Einige Gäste zeigten sich beim improvisierten Fußballspiel sportlich, und die von den Gästen mitgebrachten Liederhefte regten zu einem fröhlichen Wunschkonzert an. Als wir am Abend Abschied nahmen, wurden schon viele Pläne für unsere Reise nach Stralsund im nächsten Jahr geschmiedet.

Heidrun Sattler